Max Tiller And His Five Senses – Spot The Spit
RONDO – Das Klassik & Jazz Magazin
erschienen am 12. Dezember 2009
Der 1979 in Gera geborene und in München lebende Max Tiller
gehört zu den glänzend ausgebildeten deutschen Jazzmusikern
der jüngeren Generation. Wenn sich der Altsaxofonist nun im
Klappentext seiner CD bei Cannonball Adderley, Charlie und
Maceo Parker oder Kenny Garrett für die Inspiration bedankt,
ist das natürlich würdig und recht. Lustigerweise bewegt sich
Tiller mit “Spot the Spit” jedoch – bewusst oder unterbewusst –
auch auf einer dezidiert deutschen Traditionslinie.
Denn der kernige, unterhaltsame, virtuose und Funk-sprühende
Jazz-Rock, den der Altsaxofonist mit seinen sechs Mitstreitern
(Ulrich Wangenheim an Tenorsax, Bassklarinette und Flöte, Jan
Eschke an den Keyboards, Jan Zehrfeld an der Gitarre, Alex Klier
am Bass und Bastian Jütte an den Drums) pflegt, erinnert in seiner
speziellen Form mitunter an die Erzeugnisse von Peter Herbolzheimer
oder Klaus Doldinger (mit beiden hat Tiller schon zusammen-
gearbeitet).
Will im Guten heißen: Vor lauter Groove werden die Melodien nicht
vergessen. Das an die Studioästhetik der Achtzigerjahre gemahnende
Klangbild sorgt allerdings stellenweise für eine gewisse Glätte.
Dabei sind Max Tiller und die Seinen gewiss keine Weichspüler. Im
Gegenteil: Der Bandleader spielt so intensiv, als ob es kein Morgen
gäbe. Und Gitarrist Jan Zehrfeld, den man als Kopf der Berserker-
Band “Panzerballett” kennt, zeigt, dass sich Rock und Jazz-Funk
durchaus geschmackvoll verbinden lassen. Deshalb gilt: Hinter der
internationalen Konkurrenz brauchen sich Max Tiller und seine
Kollegen jedenfalls nicht zu verstecken.