Sven Götz Quartet – Swedish Reflections
Jazzpodium / Oktober 2009:
von Alexander Schmitz
Sven Götz Quartet Swedish Reflections
Foxtones Music FM 0709 / Medienvertrieb Heinzelmann GmbH
Alles irgendwie sympathtisch. In seiner Bio steht: ,,Begann
mit 12 Jahren Gitarre zu spielen, verschiedene Rockbands”,
gefolgt von: ,,Geburt meines Sohnes Jonas im Sommer 1982 ”
Die Presseinfo zum Sven Götz Quartett erzählt von den beiden
schwedischen Musikern, aber kaum was von ihm, Sven Götz.
Der, Spross schwedisch-deutscher Eltern versteht sich als
Wanderer zwischen diesen Welten, liebt nordische Seen, Stille
und Einsamkeit und verfügt über ein kompositorisches
Sensorium, das fast alles, was er (nicht nur) für sein Quartett
schreibt, nur noch bedingt als Jazz rubrizierbar und mindestens
genau so stark zeitgenössischer Kammermusik eher europäischer
Provenienz verpflichtet ist.
Wer sich grämt, dieser Mix könnte nur zu Trommelfell-
Depressionen führen, irrt sich. Diese vier könnten muhelos
gemeinsame Konzerte mit dem geistesbruderlichen Quadro
Nuevo geben; also: keine Spur von intellektueller Kühle oder
Distanz, nichts von manieristischer Melancholia, sondern alles
für eine Musik der Wärme und Milde, gemäßigte Modernität,
die Vermeidung von Extremen, von redun-danten Ecken und
Kanten, aber auch keine Aggressivität, kein Power Play.
Gottlob nur selten nahern sich Sven, Ekkehard Rössle, sax,
Mattias Grönroos, b, und Tommy Holmgren, dr, einer etwas
zu eleganten, zu anämischen Konturenlosigkeit an, die einem
Perfektionismus zu verdanken scheint, dem sich alles Musikan-
tische unterzuordnen hat.
Aber dann wieder swingt es wieder deutlich aus allen Fugen,
erinnert so manche lmorovisation der beiden Solisten an die
Welten von Jarrett und Jim Hall; in ,,Polkagrisar” z. B. geht es
prestissimo zu, virtuos, vergleichsweise offensiv, ansonsten
regiert die Kontrolliertheit, die Disziplin, mit der wir Götz-
Neulinge aber womöglich auch nur die Sensibilität verwechseln,
die diesen Kammerlazzvon A bis Z prägt.
Sven spielt mal Konzert-, mal verstärkte Gitarre, Bass und
Schlagzeug bekommen reichlich Gelegenheit, ihre Qualitäten
unter Beweis zu stellen. Es dominieren gezugelte Emotionen,
das unbemerkte Foot-Tapping unterm Tisch, die kleine Askese,
die nicht verhungern, sondern nur abnehmen lässt.
Wer hübsche, halblaute Dinner Music erwartet, kann zuhause
bleiben. Wer’s etwas rätselhafter mag, ist hier genau richtig.
Hier gibt’s coolen Jazzfür den Salon, nicht fur die verqualmte
Theke.